Der EM-Neuling Gibraltar

By | 25. November 2013
Gibraltarische Fußballnationalmannschaft

Foto: Gibraltar Football Association

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich werden nicht nur erstmals 24 Nationalmannschaften an der Endrunde teilnehmen, mit Gibraltar wird bei der EM-Qualifikation auch ein neuer Fußball-Verband mit von der Partie sein. Die britische Kronkolinie ist seit Mai dieses Jahres vollwertiges UEFA-Mitglied und nimmt damit auch das erste Mal an einem EURO-Qualifikationszyklus teil.

Mit Andorra, San Marino und Liechtenstein verfügt die UEFA bereits über den einen oder anderen kleineren Mitgliedsverband, seit Mai 2013 ist jedoch die Gibraltar Football Association (GFA) der kleinste Verband der europäischen Fußballunion. Mit rd. 30.000 Einwohnern dürfte kein anderes Land dem Inselstaat diesen Status in naher Zukunft streitig machen. Auch die Tatsache, dass die meisten Nationalspieler Fußball-Amateure sind und anderen Berufen nachgehen dürfte kaum jemanden verwundern. Mit Torhüter Jamie Robba und Abwehrchef Joseph Chipolina spielen immerhin zwei Nationalspieler in dritten spanischen Liga, bei Real Balompedica Linense.

Als sog. provisorisches Mitglied hat die gibraltarische Fußball-Nationalmannschaft bisher ausschließlich an inoffiziellen Turnieren und Länderspielen teilgenommen, unter anderem bei den Island Games oder 2006 an der alternativen Fußball-Weltmeisterschaft dem FIFI Wild Cup. Doch damit ist jetzt Schluss, zumindest für die UEFA-Wettbewerbe wie die Fußball-Europameisterschaft. Der GFA ist nach wie vor kein Mitglied des Fußball-Weltverbands FIFA und kann somit auch nicht an WM-Qualifikationen oder Endrunden teilnehmen.

Der steinige Weg zur UEFA-Mitgliedschaft

Auch wenn Gibraltar sowohl sportlich als auch in Sachen Organisation am Anfang sicherlich einiges an Lehrgeld zahlen wird, so hat der GFA hart um diese vollwertige UEFA-Mitgliedschaft gekämpft und sich dabei auch gegen Fußballmächte wie den amtierenden Welt- und Europameister Spanien durchgesetzt. Die früheren Bemühungen Gibraltars eigenständiges Mitglied der UEFA und der FIFA zu werden, scheiterten in der Vergangenheit stets an den Einsprüchen und der Lobbyarbeit des spanischen Verbandes (RFEF). Immer wieder wurde dabei seitens Spaniens versucht auch über politische Mittel und Wege Druck auszuüben, was Gibraltars Chefminister Fabian Picardo stets kritisierte:

Wir glauben, dass Politik und Sport nicht miteinander vermischt werden sollten. Daher ist es unglücklich, dass von spanischen Politikern Bemerkungen über sportliche Angelegenheiten gemacht worden sind

Kurioserweise hat es zunächst einen Hinweis bzw. eine Empfehlung des internationalen Sportgerichtshofs (CAS) im Jahr 2006 benötigt, damit die UEFA den GFA als provisorisches Mitglied in den Kontinentalverband aufnahm. Anfang 2007 gab es dann erneut einen Rückschlag als der UEFA-Kongress in Düsseldorf eine vollwertige Mitgliedschaft ablehnte. Erst im zweiten Versuch am 24. Mai 2013 in London war es endlich soweit und Gibraltar wurde der 54. Mitgliedsverband der UEFA. Am 19. November 2013 hat die gibraltarische Nationalmannschaft ihr erstes offizielles Länderspiel als UEFA-Mitglied gegen die Slowakei betritten und sich dabei sofort einen 0:0 Achtungserfolg gegen den WM-Teilnehmer von 2010 erkämpft. Kapitän Roy Chipolina äußerte sich nach dem Spiel wie folgt zu dem offiziellen Länderspieldebüt:

Für die Spieler und ganz Gibraltar ist das ein historischer Moment – wir sollten dies so gut genießen, wie es geht

Der Kampf um die vollständige Anerkennung geht für Gibraltar jedoch auch nach der UEFA-Aufnahme weiter, die europäische Fußballunion hat beschlossen den spanischen Verband und den Debütanten bei der bevorstehenden Auslosung der EM-Qualifikation 2016 nicht in eine Gruppe losen zu lassen. Dabei handelt es sich jedoch um den ganz normalen Wahnsinn bei der UEFA, diese Vorgangsweise wird nämlich bereits bei Russland und Georgien bzw. Armenien und Aserbaidschan angewandt.

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